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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs


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Nein Autofahrer, dort DARF ich nicht fahren!

Hassobjekt

Hassobjekt

Die Situation: Gehweg mit „Radfahrer frei“-Symbol. Ich fahre auf der Fahrbahn.
Zuerst werde ich ganz brutal geschnitten. Der Außenspiegel des Autos nur einige Zentimeter von meinem Lenkerende entfernt.

Ich habe kurz darauf die Gelegenheit, den Autofahrer anzusprechen.

Radfahrer (RF): „Entschuldigung, Sie wissen schon, dass Sie mich gerade fast umgefahren haben, oder?“.
Autofahrer (AF): „Entschuldigen Sie mal, dort ist ein Radweg!“.
RF: „Erstens ist das kein Radweg und zweitens ist das auch kein Grund mich fast zu töten“.
AF: „Natürlich ist das ein Radweg und den sollten Sie nutzen!“.
RF: „Nein, das ist kein Radweg und ich DARF dort nicht einmal fahren“.
AF: „Sind Sie blind, da ist doch ein Radfahrer-Schild!“.
RF: „Jawohl, dort ist ein Fahrradsymbol, aber ich DARF dort trotzdem nicht fahren“.
AF: „Sie sind bekloppt, das ist ein Radweg und dort sollen Sie fahren“.
RF: „Verdammt nochmal, wie oft soll ich das noch sagen, ICH DARF DORT NICHT FAHREN!“.
AF: „……..(Pause)….. wieso sollen Sie dort nicht fahren dürfen?“.
RF: (Seufzt) „Na endlich….Das ist ein Gehweg auf dem nur alte Omis im Schritttempo fahren dürfen. Ich fahre 25km/h, das ist dort nicht erlaubt. Ich muss auf der Fahrbahn fahren und möchte dabei von Ihnen in Zukunft nicht mehr in Gefahr gebracht werden. Wie gesagt, ich DARF dort nicht fahren!“

So in etwa, werde ich in Zukunft solche Diskussionen führen. Alles andere hat keinen Sinn.

P.S.: Solche unsinnige Verkehrsschilder sind z.B. in der niederländischen Verkehrsordnung gar nicht vorgesehen. Warum wohl?


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Schnee von gestern…

Bei allen Situationen im Verkehr habe ich „die Radfahrerbrille auf“. Dadurch kann ich mir manchmal schlecht vorstellen, dass es Mitbürger gibt, die überhaupt kein Gespür für den Radverkehr haben. Aber es gibt sie und zwar nicht wenige. Problematisch wird es, wenn diese Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind oder wenn sie bei einer Behörde arbeiten, die etwas mit dem Strassenverkehr zu tun hat.

Angefrorene Schneereste sind gefährlich

Angefrorene Schneereste sind gefährlich. Ausweichen nach links oftmals auch.

In der vergangenen Woche hat es einige Male geschneit in Nürnberg. Wie üblich, rücken dann die Räumfahrzeuge des SÖR (Service öffentlicher Raum) aus und schieben den Schnee von den Straßen und streuen tonnenweise Salz (interessanterweise wurde jedem einzelnen Bürger verboten ein paar Gramm Salz vor der Haustüre zu streuen).

Was an vielen Stellen in der Stadt wieder zu bewundern war: Die einen Räumfahrzeuge schoben den Schnee von der Straße auf den … Radweg. Und die anderen Räumfahrzeuge schoben den Schnee von den Gehsteigen auf den … Radweg. Und die Radwege?

Für die Radwege existiert seit einigen Jahren in Nürnberg einen separaten Räumungsplan ( –> hier geht es zur Internetseite des SÖR). Das ist schon mal positiv. Vor allem weil es eine Abarbeitung nach Prioritäten vorsieht. Allerdings deckt der Plan nur ein grobes Raster an Radwegeverbindungen ab. Und da sehe ich einen Mangel.

Radfahrer sind -anders als vor 25 Jahren- heute auch im Winter täglich unterwegs. Und Radfahrer können sich nicht immer nur die geräumten Hauptverkehrsrouten aussuchen. Die letzten 2 km das Rad schieben, oder was? Das sollte man mal einem Autofahrer zumuten. Die abgebildete Virnsberger Straße im Südwesten der Stadt fehlt z.B. komplett auf dem SÖR-Winterplan für Radverkehr.

Andererseits habe ich Verständnis dafür, dass der SÖR nicht alles in 1 oder 2 Tagen schafft. Aber wenn der letzte Schneefall schon einige Tage her ist, sollte ich als Pendler erwarten dürfen, dass auch der letzte Radweg und Radstreifen im Stadtgebiet befahrbar ist. Und überhaupt: Warum kann der Mensch, der ohnehin die Auto-Fahrbahn von Schnee befreit, diesen so weit zur Seite schieben, dass der Radstreifen gleich mit gereinigt wird? Nee, stattdessen werden sogar an einigen Stellen richtige Schneeberge auf dem Radstreifen liegen gelassen. Oder war es evt. der Schneeräumer der Firma, rechts auf dem Bild? Egal, wer es war, ein minimales Verständnis für den Radverkehr sollten Schneeräumer schon haben!

Schneehügel am Radstreifen. Wer macht denn so was?

Schneehügel am Radstreifen. Welcher Schneeräumer macht denn so was?


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3x Beck’s und eine gute Tat

Ich bin kein Biertrinker und kenne mich damit nicht aus. Aber wer Beck’s trinkt, hat bei mir erst mal einen schlechten Stand. Auf der Radroute zwischen Nürnberg und Erlangen, genauer gesagt zwischen Nürnberg-Reutles und Erlangen-Tennenohe, hat irgendein Depp innerhalb von 500 Metern 3 Bierflaschen kaputt geschmissen.

Flasche 2

Flasche 2

Wenn ich irgendwas hasse, dann ist es Glas auf der Straße. Als Radfahrer merkt man das Malheur meistens erst zu spät, also dann, wenn es unter den Reifen knirscht. Danach bleibt ein banges Abwarten ob die Reifenmäntel den Scherben widerstehen konnten.

Da die Strecke zwischen Nürnberg und Erlangen sehr viel von Radfahrern befahren wird und zwar auch in der Dunkelheit, habe ich meine Kehrsachen zusammengepackt und mich entschieden, die Sache selbst sofort in die Hand zu nehmen. Der Abschnitt mit den Flaschen ist ohnehin so ein Stück Niemandsland, wofür die Zuständigkeit während den Feiertagen vermutlich schwer zu klären sei. Deswegen habe ich lieber nicht den SÖR (Service Öffentlicher Raum – Nürnberg) und das Staatliche Bauamt bemüht. Bevor die Scherben noch 2 Wochen weiter über den Weg verteilt werden und ggf. mehrere Reifenpannen verursachen. Schneien soll es außerdem ab heute Nachmittag. Dann ist nix mehr mit Scherben einsammeln.

Hinterher-Anhänger als Räumfahrzeug

Hinterher-Anhänger als Räumfahrzeug

Mein Hinterher-Radanhänger konnte für die Aktion wieder mal gute Dienste leisten. Auch wenn es nicht weit war (<2km) hat er sich doch als praktisch erwiesen.

So, jetzt mal warten auf den Schnee….


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Bündnis Radfairkehr – die 2. Aktion

Am vergangenen Freitag 19.12. hat das Nürnberger Bündnis Radfairkehr seine 2. Aktion in der Öffentlichkeit durchgeführt.

In Anlehnung an einer Aktion, die kürzlich in den Niederlanden stattfand, haben sich Aktionsteilnehmer mit Leckereien an der Ampelanlage am Ludwigstor hingestellt.

Ampelaktion am Ludwigstor

Ampelaktion am Ludwigstor

Die Lebkuchen, Glühwein (bleifrei!) etc. wurden an den Radfahrern verteilt um damit die Wartezeit vor der Ampel zu versüßen. Außerdem wurden Flyer verteilt.

Aktionsteilnehmer im Gespräch mit Radfahrern

Aktionsteilnehmer im Gespräch mit Radfahrern

Ziel der Aktion war es, auf die Benachteiligung bei den Ampelschaltungen für Radverkehr hinzuweisen. Diese sind in Nürnberg überall für den Autoverkehr optimiert, aber niemals gezielt für den Radverkehr. Wenn man mal Grün erwischt, ist das eher Zufall.

Die Aktion ist auch beschrieben auf der Homepage des Bündnis Radfairkehr.


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Falschparken ist zu billig in Deutschland – Du kannst was dagegen tun!

Falschparker behindern fast überall

Falschparker behindern fast überall

Im europäischen Vergleich ist das Falschparken in Deutschland so billig wie nirgendwo. Lediglich 20,-€ Strafe drohen, wenn man erwischt wird. Egal ob auf Rad- oder Gehweg oder in zweiter Reihe. Parken auf Behindertenparkplätzen kostet nur geringfügig mehr (35,-€). Da geht es dem Übeltäter in Holland schon ganz anders an den Kragen (360,-€!). Im Schnitt kommt der Autofahrer in Deutschland 75% billiger davon als bei den Nachbarn. Ist das eigentlich normal?

In Deutschland wir Falschparken wohl oft nur als Kavaliersdelikt angesehen. Das soll sich ändern, bringen Falschparker doch andauernd andere Verkehrsteilnehmer in Nöten oder Gefahr. Außerdem nimmt das Falschparken in den letzten Jahren stark zu (Zunahmen von 25-40% in den letzten 4 Jahren in mehreren Städten).

Dieses Wochenende startet eine neue Online-Petition, mit dem Ziel, die Bußgelder für Falschparken in Deutschland auf ein durchschnittliches europäisches Niveau zu bringen.

Hier geht es direkt zur –>  Online-Petition

Hier geht es –> zur Aktionsseite des Initiators (www.clevere-staedte.de)

Zusammenfassung der Forderungen der Petition

Zusammenfassung der Forderungen der Petition – Quelle: http://www.clevere-staedte.de

Viele Fahrradblogs und Facebookseiten weisen gemeinsam auf diese Aktion hin, damit viele Unterzeichner gewonnen werden. Wenn 120.000 Bürger unterschreiben, muss der Bundestag sich mit dem Thema befassen.

Deswegen bitte mitmachen, sofort!


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Wieder ein paar mühsame Meter…

An der Maximilianstraße gab es 3 Wochen lang eine unschöne Baustelle. Mittlerweile sind die Umleitungsschilder und die Absperrbaken wieder weg. Nach der Ampel führt jetzt eine Spur für Radfahrer neben der Autospur zur nächsten Ampel an der Fürther Straße. Danach ist wieder Fahrradwüste, bzw. das aus meiner Sicht gefühlt gefährlichste Stück Straße in Nürnberg, ohne jegliche Vorrichtung für Radfahrer.

Maximilianstraße, zwischen Jansenbrücke und Fürther Straße

Maximilianstraße, zwischen Jansenbrücke und Fürther Straße

Anyhow, dieses neue Stückchen Radstreifen ist wieder typisch für die Art und Weise, wie der Radverkehr immer mal ein paar Meter gewinnt. Durch viele Gespräche, die ich in letzter Zeit mit unterschiedlichsten Radfahrern geführt habe, wird immer klarer, dass diese Art des „Fortschritts“ nicht mehr sonderlich akzeptiert wird.

Es werden Stimmen lauter, die meinen, dass es höchste Zeit für einen Radwegenetz-Masterplan ist. Dass das Zugeständnisse von Politik und Autofahrern verlangen wird ist klar. Der Platz und die finanziellen Mittel sind begrenzt, können aber anders verteilt werden. Hier hoffe ich auf einen Sinneswandel und viel Mut bei den Verantwortlichen in der nürnberger Politik und Verwaltung. Erste vorsichtige Anzeichen sind zu entdecken, aber es fehlt noch das klare, deutliche Bekenntnis zu einer fahrradfreundlichen Stadt.

Der Radwegenetz-Masterplan wäre eine Möglichkeit Klarheit und eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Der Plan müsste ein (vorerst grobes) Netz von gut ausgebauten Radwegen mit sicheren einheitlichen Standards (von mir aus nach niederländischem Vorbild!) enthalten, die stern- und kreisförmig die Stadtteile miteinander verbinden. Man kann sich das wie ein Spinnennetz vorstellen. Wenn die groben Maschen stehen, kann man sich an die feineren dran machen, aber lasst uns doch erst mal damit anfangen! So weitermachen wie bisher ist auf jeden Fall nicht die Lösung um den Radverkehrsanteil signifikant zu steigern. Das einzige, was im Moment zunimmt, sind die ängstlichen Radfahrer auf den Gehwegen und da will sie -zurecht- niemanden haben.


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Radwege – soll und ist

Der Architekt und Philosoph Christopher Alexander hat in den 70-er Jahren an der Universität von Oregon, USA,  ein interessantes Experiment durchgeführt. Zwischen den Gebäuden wurde Rasen gesät. Dann ließ man die Studenten 2 Monate ihre täglichen Wege gehen. Nach den 2 Monaten waren zwischen den Gebäuden Trampelpfade entstanden, die ganz klar zeigten, welche die bevorzugten Gehstrecken der Studenten waren. Diese Strecken wurden dann zu richtigen Wegen umgestaltet.

Der kürzeste Belag ist nicht der kürzeste Weg

Der kürzeste Belag ist nicht der kürzeste Weg

Im Knoblauchsland gibt es diese anschauliche Situation. Irgendwer (die Stadt oder Privatleute?) hat das Stück Wüste zwischen Straße und Abkürzung geschottert. Die Radfahrer wählen aber eindeutig die Strecke links davon. Der vorgesehene Weg wird nicht akzeptiert. Wenn es geregnet hat, befindet sich unten eine große Pfütze. Ansonsten wäre der Weg über den Schotter eher eine Art Zig-Zag-Route. So entstand im Laufe der Zeit der Trampelpfad für Radfahrer.

Diese Situation ist aus meiner Sicht symptomatisch für viele Radstrecken in Nürnberg (nicht alle!). Vor allem ältere Radvorrichtungen sind eher um die Autostraßen herum geplant und errichtet worden. Der gemeine Radfahrer ist aber sehr Streckensensibel. Ich vergleiche das Streckenverhalten von Radfahrern oft mit Wasser: Es sucht sich den kürzesten und direktesten Weg von A nach B. Deswegen sieht man viele Radfahrer an Stellen, wo sie nicht sein sollten, z.B. auf Gehwegen oder als Geisterfahrer auf einspurigen Radwegen.

Die bisherige Art damit umzugehen ist meistens entweder ignorieren oder bestrafen. Ich möchte die Politik und Verwaltung jedoch dazu aufrufen, diese Art von intuitiven Strecken zu prüfen. Es zeigt, wo Leute fahren wollen um von A nach B zu kommen. Nur wenn man diese Bedürfnisse Ernst nimmt und dafür die passende Lösungen errichtet, wird man Akzeptanz bei Radfahrern ernten und gute Verbindungen schaffen.