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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs


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Radfahren in Holland (1) – Die Mentalität

Radfahren am Strand von Zandvoort

Radfahren am Strand von Zandvoort

Einfach losfahren
In den kleinen Niederlanden mit fast 17 Millionen Einwohnern hat der Verkehr eine große Bedeutung. Weil täglich viele Personen auf engem Raum ihren weg von A nach B finden sollen, wird viel Wert auf Lösungen ohne Auto gelegt, obwohl das Auto für sehr viele Einwohner unverzichtbar ist. Jeder Autofahrer hat aber mindestens 1 Fahrrad daheim und nutzt es auch regelmäßig, z.B. zum schnellen Einkaufen oder zum Sportverein. Der Niederländer ist also flexibel in der Wahl seines Verkehrsmittels und nicht nur auf das Auto fixiert. Es wird das Verkehrsmittel gewählt, was für den Zweck am praktischsten ist. Kinder werden schon früh mit dem Fahrrad vertraut gemacht und sehr oft mit dem Rad in den Kindergarten oder Schule gebracht/begleitet.
Das Wetter ist kein Hemmschuh für die Nutzung. Die nationale Wetterbehörde hat festgestellt, dass es 96,3% der Zeit in den Niederlanden trocken ist. Und wenn es mal regnet, dann nimmt man ein Regenschirm in die Hand oder wirft sich was über. Spezielle Fahrradkleidung findet man kaum. Die wenigsten Radfahrer ziehen sich für die täglichen Fahren anders an. Helme werden zwar immer mehr genutzt, aber nur von Kindern und Rennradfahrern. Fazit: Einfach aufsteigen und losfahren.

Haarlem(nl) - Innenstadt

Haarlem(nl) – Innenstadt

Radfahren wird sehr häufig zusammen gemacht und da man fast überall problemlos nebeneinander fahren kann und darf ist es geselliger als auf deutschen Miniradspuren, die die Breite eines Fahradlenkers haben.
Das Tempo auf den Radwegen ist gemütlicher und relativ einheitlich. Nur wenige Fahrer sind deutlich schneller als 20 km/h unterwegs. Trotzdem kommt man durch die „Go with the Flow“-Maßnahmen in der Infrastruktur sehr schnell mit dem Rad voran ohne ins Schwitzen zu kommen. Auch deswegen sieht man unter den Alltagsfahrern kaum welche mit Rennrad, Mountainbike oder Trekking/Expeditionsrad. Praktische Alltagstauglichkeit steht an erster Stelle: Schutz vor aufspritzendem Wasser, Gepäckmitnahmemöglichkeiten und Beleuchtung sollen vorhanden sein. Dass es dabei trotzdem sehr viele Fahrrad-Variationen gibt, lässt sich im Straßenbild immer besser beobachten.

Separater Radweg im Bereich von Grundstückszufahrten. Keine Absenkung des Radwegs

Separater Radweg im Bereich von Grundstückszufahrten. Keine Absenkung des Radwegs

Das „Go with the Flow“-Prinzip gilt nicht nur für Maßnahmen in der Infrastruktur. Es ist auch eine Mentalität beim Fahren. Es kommt nicht darauf an, dass der einzelne so schnell wie möglich ans Ziel kommt, es geht mehr darum, dass der gesamte Verkehr im Fluss bleibt. Darum bremst auch mal ein Radfahrer kurz ab um ein Auto vor zu lassen (oder umgekehrt) weil man bewusst oder unbewusst darauf achtet, dass der „Flow“ nicht ins Stocken kommt. Mehr dazu im nächsten Blog-Beitrag.

Ein Problem auf den niederländischen Radwegen.
Ein Problem gibt es in Holland, das es in der Art glücklicherweise in Deutschland nicht gibt. Und ich hoffe, es bleibt so. Es sind die Mofascooter (mit blauen Kennzeichen). Diese sind offiziell bis 25km/h zugelassen und dürfen ohne Helm auf dem Radweg gefahren werden. Da die Mofascooter  in den meisten Fällen von jungen Leuten gefahren und getuned werden und dann Geschwindigkeiten von bis zu 60km/h erreichen, macht es keinen Spaß, die Radwege mit diesen Fahrzeugen zu teilen. Es kommt immer häufiger zu Konflikten. Hoffentlich wird der niederländische Gesetzgeber bald was gegen diese Plage unternehmen.

Scooter am Straßenrand

Scooter am Straßenrand


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Ausstellung „THE GOOD CITY“ aus Kopenhagen in Nürnberg

Heute Abend war die offizielle Eröffnung der Ausstellung „THE GOOD CITY“ im Offenen Büro, Lorenzer Straße 30 in Nürnberg. Sie zeigt Ideen und Fantasien aus Kopenhagen, die dazu entwickelt wurden, um das Wachstum des Radverkehrs in der Dänischen Hauptstadt weiter anzukurbeln.

Fachleute für Verkehr unterhalten sich.

Fachleute für Verkehr unterhalten sich in der Ausstellung.

Die Ausstellung geht bis 11.10.2015. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 8.30 bis 15.30 Uhr sowie Mittwoch und Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr.

Man sollte ein wenig Zeit mitnehmen, denn es gibt viel zu sehen und lesen. Weitere Infos gibt es –> hier


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Radeln über den Hauptmarkt in Nürnberg

Vor 4 Wochen ging der Kampf um den Hauptmarkt wieder los. Insbesondere die Stadtratsfraktion der Grünen hat in der bisherigen Stadtratslegislatur-Periode durch mangelnden Ideen für den Radverkehr geglänzt. Und dann kam ausgerechnet von denen letzten Herbst der Vorschlag, den Hauptmarkt für den Radverkehr zu öffnen, wenngleich auch als Versuch. Aus meiner Sicht ein verkehrspolitisch unkluger Schachzug. Warum?

Nachdem es fast 2 Jahre ruhig gewesen war, ging das Säbelrasseln im Rathaus und in der Presse wieder los. Der Grünen-Vorschlag wurde im Verkehrsausschuss behandelt und jeder musste was dazu beitragen. Vor allem die CSU ist wie so oft gegen jegliche Erleichterung für den Radverkehr. Diesmal vor allem unter dem Deckmantel des Behindertenschutzes bzw. im Interesse der Marktkaufleute.

Haben die Kritiker nicht gemerkt, dass seit Jahren täglich 1.500-2.000 Radfahrer über den Hauptmarkt fahren? Und dabei sind keine Probleme aufgetreten! Aus dem Grund hätte ich die Situation so gelassen wie sie ist und hätte das Thema nicht wieder aufgekocht (liebe Grüne: Es gibt viele Fahrrad-Baustellen in der Stadt, die mehr Aufmerksamkeit brauchen!!!). Die Polizei greift am Hauptmarkt nur ein, wenn man Mitbürger in Gefahr bringt und wer sich normal verhält hat eigentlich nichts zu befürchten.

Der Vorschlag sollte noch mal überarbeitet werden, wurde verschoben und wird voraussichtlich in September noch mal behandelt. Ich habe dafür nur eingeschränkt verständnis. Aber wenn es schon eine Lösung geben soll, dann so ähnlich wie in der Fußgängerzone von Isny im Allgäu wo ich vor einigen Tagen folgendes Bild gemacht habe:

Fußgängerzone in Isny: Radfahrer dürfen mit angepasster Geschwindigkeit weiterfahren.

Fußgängerzone in Isny: Radfahrer dürfen mit angepasster Geschwindigkeit weiterfahren.


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Immer mehr Initiativen für den Radverkehr in Nürnberg

Die Anzahl Initiativen, die sich für bessere Bedingungen im Radverkehr einsetzen, hat in letzter Zeit deutlich zugenommen.

Seit vielen Jahren gibt es den ADFC mit dem eigenen Kreisverband Nürnberg (www.adfc-nuernberg.de).

ADFCCa. 2.400 Mitglieder hat der Fahrradclub und bietet ein sehr breites Spektrum an Aktivitäten. Ich bin seit 2 Jahren Mitglied und aktiv in der Arbeitsgruppe „Verkehr“. Nicht die leichteste Aufgabe in einer Stadt, die von Kopfsteinpflaster und Auto-liebenden Politikern dominiert wird.

Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich ab 18 Uhr spontan Hunderte von Radfahrern am Nürnberg Opernhaus. Irgendwann fahren sie los und bewegen sich als (mehr oder weniger) geschlossenen Verband als CRITICAL MASS durch die Stadt. Waren es vor 2 Jahren noch regelmäßig ca. 100 Radfahrer, sind es mittlerweile bis zu 800. Organisiert wird die Fahrradfahrt nicht. Es gibt nur eine Seite auf Facebook, die von über 2.900 Personen abonniert wurde.

Im Sommer erschien dann die Initiative I BIKE NBG mit eigener Homepage und Facebookseite. Matthias und Bastian bieten T-Shirts dort zum Verkauf an. Mit dem Erlös sollen Projekte zur Förderung der Fahrradkultur in Nürnberg unterstützt werden.

Bildschirmfoto vom 2014-10-31 17:04:07

Auf der Facebookseite wird außerdem gerne über Radverkehrsthemen aus Nürnberg und sonstwo diskutiert.

Zuletzt hat sich das Bündnis RadFairKehr formiert. Mehrere Radfahrer(innen), die mit der aktuellen Situation in Nürnberg unzufrieden sind, wollen die Öffentlichkeit mit Aktionen darauf hinweisen. Eine Facebookseite gibt es schon. Weitere Unterstützer sind herzlich willkommen.

RadfairkehrAlle Initiativen haben im Grunde genommen das gleiche Ziel: Bessere Bedingungen für Radfahrer, damit mehr Leute aufsteigen und damit ist implizit der Wunsch verbunden, dass weniger Autos in der Stadt unterwegs sein werden. Denn das ist das höhere Ziel: Eine lebenswertere Stadt, die leiser, geräumiger und gesünder ist!


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Fahrrad-Filmprojekt sucht Sponsoren

Dieser Trailer zeigt in einigen Minuten, was der schwedische Filmer Fredrik Gertten mit einem neuen Filmprojekt vorhat. Es geht um Politik und Autoindustrie und wie die mit Geld und Macht versuchen die Straßen mit Autos zu füllen und Fahrräder kategorisch zu verbannen… weltweit. Und wie eine wachsende Bewegung von Menschen in Städten versucht den Platz für das Fahrrad zu verteidigen. Ich glaube, dass das ein sehr interessanter Film werden könnte und dass es eine kleine Spende wert ist.

Für das Projekt versucht der Filmer über das Fundraising-Portal kickstarter.com Geld zu sammeln. Jeder kann einen Beitrag zusagen, der erst bei Erreichen des Ziels von $50.000,- fällig wird. Im Moment sind schon fast $33.000,- zusammen gekommen.

Weitere Informationen findet ihr unter http://www.bikes-vs-cars.com


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Aufsteigen, bitte!

Ein wirklich sehr gelungener Film zum Radverkehr in Nürnberg mit Vergleichen zu Kopenhagen.

Auch zu finden unter der Seite www.nuernberg-steigt-auf.de

Wichtige Erkenntnisse:

1. Es ist noch viel zu tun
2. Die Politik muss sich zum Radverkehr bekennen
3. Der Radverkehr muss die oberste Priorität im städtischen Verkehr bekommen