nürnberg2rad

Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs

Das Blog-Ende…und ein Schlusswort

19 Kommentare

Viele Blogs sterben langsam, weil der Blogger irgendwann nicht mehr schreibt. Solche Tendenzen habe ich bei mir in letzter Zeit auch wahrgenommen. Nach fast 300 Beiträgen in den letzten 3 Jahren hat mich die Lust ein wenig verlassen. Ich wollte diesen Blog aber nicht so leise ausbluten lassen. Deswegen habe ich zum Schluss noch mal einiges zusammengeschrieben, was mir wichtig war. Vor allem der Blick nach Holland kann einem die Augen dafür öffnen, wie schön Städte sein können, wenn das Hauptaugenmerk nicht mehr auf den PKW gelegt wird. Und wenn ein Gespür für die fahrradgerechte Umsetzung der Maßnahmen entsteht.  In dem Sinne möchte ich alle Leser dazu auffordern, in nächster Zeit einen Kurzurlaub in einer niederländischen Großstadt zu verbringen. Räder kann man überall ausleihen und lasst euren Helm daheim, den werdet ihr nicht brauchen🙂

Seit über 20 Jahren lebe ich in Nürnberg und wundere mich immer noch über die Art und Weise, wie man sich als Radfahrer durch die Stadt bewegen muss. Durch meine Tätigkeit in der Arbeitsgruppe Verkehr des ADFC habe ich tiefergehendes Verständnis dafür gewonnen, warum das eine oder andere in Nürnberg (noch) nicht klappt. Natürlich fehlt an allen Ecken das Geld, aber nicht nur das. Von der jährlichen 1 Mio Fahrradbudget der Stadt wurde 2014 nur ca. 3/4 in Maßnahmen umgesetzt. Grund: Die ausführende Behörde (SÖR) kommt mit den vorhandenen Kapazitäten nicht nach. Aber zudem geht es auch um die Art der Maßnahmen und deren Umsetzung. Vieles was geplant und umgesetzt wird entspricht nicht mehr den aktuellen Stand der Best-Practice-Lösungen aus den Niederlanden. Kreuzungen, Ampeln, Grundstückszufahrten und die Gestaltung von Radwegen an Seitenstraßen sind zwar meistens RAS- und ERA-Konform, sie sind ohne Fantasie und Mut für Neues.
Wenn man in Nürnberg auch die weniger mutigen Radfahrer ansprechen will, dann müssen mehr separat geführte Radwege her. Aber in Holland-Qualität. Nur dann sind Radverkehrsanteile von 20% und mehr möglich. Wer jedoch weiterhin an die bisherigen Radstreifen und das Kreuzungs- / Ampeldesign festhält, wird über 15% kaum hinauskommen.

Es gibt in letzter Zeit immer mehr Personen und Gruppen, die sich dafür einsetzen, die Situation für den Radverkehr in Nürnberg zu verbessern. Das freut mich sehr und zeigt, dass das Fahrrad als Transportmittel in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Es ist aber noch ein langer Weg.

Die großen politischen Parteien im Nürnberger Stadtrat sind noch sehr zögerlich wenn es darum geht, Maßnahmen zu entscheiden, die Raum für den Radverkehr schaffen, aber Platz für Kfz verbrauchen. Es wird aber eine Umverteilung des Raums geben müssen, wenn die Stadt aus den täglichen Problemen mit der Auto-Flut herauskommen will. Die Zeit der einfachen Maßnahmen für den Radverkehr in Nürnberg ist vorbei. Jetzt ist man an einem Punkt, an dem es anfängt weh zu tun.
Andere Städte in Deutschland oder sonstwo zeigen, dass die Stadt an Attraktivität und Lebensqualität gewinnt, wenn der Kfz-Verkehr zurückgedrängt wird. Das gilt übrigens auch für den Einzelhandel, der das aber noch anerkennen muss. Dass das Zurückdrängen nicht ohne Kritik durch die eingefleischte Autofahrergemeinde (=Wählerstimmen) ablaufen wird, sollte klar sein. In dem Zusammenhang ist die aktuelle Preispolitik der Verkehrsbetriebe aus meiner Sicht nicht hilfreich: Vielfahrer werden bevorzugt, aber warum sollen Wenigfahrer (z.B. Autofahrer, die nur mal am Samstag öffentlich in die Stadt fahren wollen) so hart zur Kasse gebeten werden? So lockt man die Leute nicht aus dem Auto heraus.

Ich werde mich weiterhin mit der Verkehrs- und Fahrradpolitik beschäftigen und meine Kommentare auf http://www.nordbayern.de und auf den Facebookseiten des ADFC Nürnberg und der Critical Mass Nürnberg Opernhaus zurücklassen.

Vielen Dank für das Lesen meines Blogs in den letzten 3 Jahren. Fahrt vorsichtig und selbstbewusst!

Foto3

Autor: Quirinus

Zweirad fahren in Nürnberg und Umgebung. Meistens mit dem Fahrrad. Meine Geschichten, Bilder und Meinungen dazu findest du unter https://nuernberg2rad.wordpress.com

19 thoughts on “Das Blog-Ende…und ein Schlusswort

  1. Schade.
    Ich habe deine Beiträge gern gelesen.

    Alles Gute weiterhin und danke für die Arbeit der letzten Jahre

    Grüße
    Reimund

  2. Danke für die vielen tollen Artikel in der Vergangenheit! Habe das Blog immer gerne gelesen und werde es vermissen!

  3. Sehr schade, einer meiner Lieblingsblogs zum Thema Radverkehr. Vielleicht hat man mach drei Jahren schon alles gesagt.
    Auf jeden Fall sieht man, das du Talent zum Schreiben hast, ein Blog steht dir gut.

  4. Vielen Dank für die spannenden und schönen Blogposts der letzten drei Jahre!
    Schade, dass du nürnberg2rad nicht weiterführte. Du hast vermutlich Recht, sich mit guten Gedanken zu verabschieden und einen echten Schlussstrich zu ziehen.
    Da werde ich in Zukunft öfter Nordbayern.de und die Seiten des ADFC Nürnberg schauen. Vielleicht treffen wir uns ja auch bei der Fahrradschau in Berlin oder einem Bromptonrennen.🙂
    Dir alles Gute und viele Grüße aus dem Norden!

  5. Oh wie schade, genau das habe ich befürchtet, als ich Teil 3 Deiner letzten Beiträge gelesen habe!
    Ohne Wehmut aber mit viel Respekt möchte ich Danke sagen für die gute Arbeit, die noch besseren Argumente und die unheimlich große Geduld mit der Du uns mit diesem Blog Radfahren in Holland nahe gebracht hast. Sie war definitiv nicht umsonst, hier in Nürnberg dauert eben manches einfach ein bisschen länger..

  6. also ich hatte nicht den Eindruck, dass Dir die Beitragsideen ausgingen… es kamen regelmäßig neue. Und weil es an vielen Stellen beim Radverkehr in Nürnberg hakt, sollten Dir die Blog-Themen nicht ausgehen…. Es muß ja die Hölle für dich sein, hier im Südosten Deutschlands Rad zu fahren…

  7. So lange folge ich Deinem blog noch gar nicht per RSS und was ich sah hat mir gefallen und jetzt endet das hier? Aber ich spreche aus 14 Jahren Bloggerleben, man kommt wieder. Immer wieder.🙂
    Ich hoffe bald und dann kein Facebookdingens sondern das hier hat Stil.
    Gute Fahrt!

  8. Hallo Gerardus,
    danke für Deine Beiträge und Berichte rund ums Radfahren; nicht nur, aber eben auch aus meiner Heimatstadt. Ich hoffe mit den Anderen, daß rollinger Recht behält und wir hier – zu gegebener Zeit – wieder mal etwas von Dir lesen dürfen.
    Alles Gute!

  9. Hallo Quirinus,
    vor fast einem Jahr bin ich auf deinem Blog gestossen, da ich auf der Suche nach Infos bzgl. der Förderung von Radverkehr in Nürnberg war. Die Beiträge waren immer interessant und informativ, und haben meine Wahrnehmung von der Verkehrssituation wie ich sie in der Stadt erlebe auch wiederspiegelt. Inspiriert hast du mich und meine Familie auch. Als wir uns auf der Suche nach einer autofreien Einkaufsmöglichkeit gemacht haben, kammst du mit deinem Beitrag vom Hinterher gerade rechtzeitig. Seit einige Monate sind wir stolze Besitzer eines Anhängers und haben den Kauf nicht bereut!
    Weiter sind wir neulig als Familie Mitglieder beim ADFC beigetreten. Also, es wurde mich freuen, dich auch in einer der Arbeitsgruppen vielleicht doch persönlich kennenzulernen.
    Gute (und freie) Fahrradfahrt weiterhin!

  10. Schade… ich hoffe es ist nicht so ernst gemeint mit dem Aufhören!
    Was sollten wir da in Wien sagen, wenn wir nicht den „langen Atem“ hätten?
    Siehe auch:
    ARGE-Fahrrad, e. V.
    http://honzosblog.wordpress.com/
    http://zufussblog.wordpress.com/
    http://bahnundrad.wordpress.com/

  11. Danke für dein Engagement, weiter so und nicht aufgeben. Es bewegt sich was, langsam…

  12. Schade!
    Ich fand den Blog immer wieder erfrischend, auch wenn ich mit dem Autor nicht immer einer Meinung war und viele seiner Schlussfolgerungen nicht teile. Gerade wenn es um die Sicherheit des Radverkehrs in Nürnberg geht, kann ich die Forderung nach mehr separaten Radverkehrsführungen nicht teilen.
    Das Vorbild Niederlande taugt in meinen Augen nicht. Die dort anscheinend üblichen separaten Radverkehrsanlagen bräuchten häufig deutlich mehr Platz, als hier zur Verfügung steht. Wer z.B. für den Weg südlich der Wöhrder Talsperre einen Radfahrer-Kreisel vorschlägt, ignoriert die Bedürfnisse der hier noch zahlreicheren Fußgänger vollständig.
    Die gefährlichsten Situationen, die ich bislang im Straßenverkehr erlebt habe, geschahen ausnahmslos auf Radverkehrsanlagen.
    Die in Nürnberg getöteten Radfahrer sind überwiegend die ganz typischen Opfer von Abbiegeunfällen, mindestens zum Teil an Radwegen (welche gerade durch die Separierung des Radverkehrs die Abbiegeunfälle fördern).
    Trotzdem war es interessant und abwechlungsreich, Quirinus zu folgen. Und gute Anregungen gab es: den Fahrradanhänger habe ich mir kurz nach Erscheinen des Artikels hier im Blog sofort gekauft.🙂

    • Frei nach „wer heilt, hat Recht“… Die Niederländer sind nicht ohne Grund so erfolgreich im Radverkehr. Das System funktioniert. Und ja, es braucht an vielen Stellen mehr Platz für den Radverkehr, den muss man ihm geben. Dafür muss der Autoverkehr was abgeben. Hart, aber nur so kann es klappen.

  13. Schade, aber nachvollziehbar. Weiterhin alles Gute!

  14. Wirklich sehr schade! Hab ab und an mal bei dir vorbeigeguckt und jeden deiner Artikel sehr genossen! Alles gute dir weiterhin!

  15. Immer gern da gewesen! Alles gute von meiner Seite!

  16. Hallo Quirinus,
    das ist wirklich schade. Ein schönes Klapprad fährst Du da auf dem Foto. Viel Glück für die bloglose Zukunft.
    Grüße, Frank

  17. gibst du noch Tipps zum Radfahren in Holland oder bist du gar nicht mehr online?

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