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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs

Kritik an Unfall-Berichterstattung

6 Kommentare

Zuerst ist es natürlich schockierend, was vor 2 Tagen in Erlangen passiert ist. Ein schreckliches Ereignis für alle Beteiligte und Verwandte. Den Unfallhergang möchte ich nicht kommentieren, dazu fehlen mir die relevanten Informationen und die Lust.

Um was es mir geht, ist die Art der Berichterstattung in den Lokalmedien. Zuerst wird korrekt über den Unfall berichtet. Dann aber geht es im letzten Absatz in die falsche Richtung:

Im Satz zuvor wird beschrieben, dass der Radfahrer gestorben ist. Im Anschluß kommt die Information, dass der Autofahrer einen Schock erlitten hat. Das ist verständlich und auch schlimm. Aber warum müssen Automarke und -Typ genannt werden? Und der Sachschaden am VW Tiguan in Höhe von ca. 1000 Euro? Was ist da passiert? Gab es vielleicht einen Kratzer im Lack der Stoßstange? Wo ist da die Relevanz und die Relation zum Unfalltot eines Menschen?

Warum werden Marke und Typ des Fahrrads nicht erwähnt? Und die Höhe des Sachschadens am Fahrrad?: „Am Hercules De Luxe enstand ein Totalschaden in Höhe von ca. 400 Euro“. Merkst du es auch? Wie albern das klingt? Deswegen wäre ich dafür, dass solche Berichte nicht einfach 1:1 aus dem Unfallbericht der Polizei übernommen werden, sondern dass Journalisten hier für Qualität und etwas Pietät sorgen. Lasst den Auto-Unsinn einfach weg!

Ich schicke diesen Beitrag mal an die Redaktion. Hoffentlich bewirkt das was.

Autor: Quirinus

Zweirad fahren in Nürnberg und Umgebung. Meistens mit dem Fahrrad. Meine Geschichten, Bilder und Meinungen dazu findest du unter https://nuernberg2rad.wordpress.com

6 thoughts on “Kritik an Unfall-Berichterstattung

  1. Dieser Beitrag hebt sich im Grunde genommen sogar fast noch positiv hervor, weil er Schuldvermutungen weglässt. Wenn man sich die Unfallmeldungen auf http://presserad.wordpress.com durchliest, sieht man schnell, dass der in Polizeimeldungen vorherrschende Duktus der ist, dass Radfahrer sehr oft selbst schuld sind, weil sie keinen Helm getragen haben oder sich auf unerklärliche Weise bei Unfällen (selbst) verletzen, nicht aber (meist fahrlässig) verletzt werden. Gerne werden Radfahrer auch einfach „übersehen“. Im Gegenzug dazu missachten Radfahrer aber rote Ampeln meistens. Hinter dieser Schreibweise steckt nicht etwa Unwissenheit, sondern eine Menschen- und Gesellschaftsbild, das Radfahrer als hinderliche Ärgernis sieht, nicht aber einen gleichwertigen Verkehrsteilnehmer. In den Köpfen der Redakteure muss sich dringend etwas ändern, deswegen wäre es gut, wenn Du die 10 Goldenen Regeln für bessere Unfallmeldungen gleich mitschicken könntest: https://presserad.wordpress.com/category/rubriken/10-goldene-regeln/

  2. tja… da hast du schon recht, Quirinius. Doch das sind eben wir Radfahrer_innen, die so denken. Es muß kein böser Wille des oder der Journalist_in sein, dass der Bericht so geschrieben wurde. Es ist die Routine, weil das Auto in Deutschland wichtiger ist als das Fahrrad. Es ist sogar heilig (und das kotzt auch mich gewaltig an). Wenn man es sich leisten kann, sollte man aus dem Entwicklungsland für Fahrrad und Frauenrechte (=Deutschland) wegziehen. Der Kampf um die eigenen Rechte ist auf Dauer sehr mühsam und kräftezehrend.

  3. Der Hinweis auf dem Sachschaden finde ich ebenfalls deplatziert. Die Nennung der Automarke hat aber vielleicht einen gewissen Informationswert, da sie indirekt auf die besonders erhöhte Betriebsgefahr hinweist, die von derartig schweren, geländetauglichen Fahrzeugen mit hohem Schwerpunkt ausgeht.

    • Die Zahlenwerte bei den Sachschäden sind sowieso häufig Unsinn. Bei meinem letzten Radl/Auto-Unfall hatte die Polizei den Schaden an beiden Fahrzeugen geschätzt. Warum sie das machen ist offen, aber es wird offenbar immer so durchgeführt. Der Schaden an meinem Rad war einen Faktor 10 zu niedrig (da hatte ich ja irgendwann die Rechnung), beim Auto vermute ich bei Motorhaube + Kotflügel + Spiegel + Tür auch mehr Kosten als die geschätzten 500€.

      Schwierig wenn das die Presse übernimmt – andererseits sollten die Zahlen vielleicht dazu und die Folgen deutlicher dargestellt werden: „Am Auto entstand ein Schaden in Höhe von 3500€, den keine Versicherung trägt“. Oder so. Um den Fahrern klar zu machen, dass das auch Geld kostet – nicht bloß Schmerzen und Leben. Scheint manchmal leider im Kopf präsenter zu sein…

  4. Nun, wenn, wie in diesem Fall, mal wieder ein Innenstadtpanzer verwickelt ist, dann halte ich das durchaus für relevant.
    Nicht auszudenken, bei einem anderen Fahrzeugtyp hätte der Kamikazeradfahrer wirklich Schaden anrichten können…

  5. Ich kenne diese Art der Berichterstattung aus unserer Heimatzeitung ganz ähnlich. Da wird ausführlich über eine hohe Unfall- Verursacherquote bei Radlern berichtet. Natürlich addiert man alles zusammen. Rad gegegen Fußgänger, Rad gegen Rad und Rad gegen Auto. Dann stellt man fest, dass fast an der Hälfte der Unfälle die Radfahrer selbst Schuld sind. Eine gleichwertige Statistik für Autos bleibt man natürlich schuldig. Hier kann man nur spekulieren. Im Geiste schätze ich die Unfallverursacherquote der Autofahrer bei allen Unfällen Auto gegen Fußgänger, Auto gegegen Radfahrer und vor allem Auto gegen Auto. … aber diese Zahlen sind wohl keinen Artikel wert.

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