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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs

Wieder ein paar mühsame Meter…

7 Kommentare

An der Maximilianstraße gab es 3 Wochen lang eine unschöne Baustelle. Mittlerweile sind die Umleitungsschilder und die Absperrbaken wieder weg. Nach der Ampel führt jetzt eine Spur für Radfahrer neben der Autospur zur nächsten Ampel an der Fürther Straße. Danach ist wieder Fahrradwüste, bzw. das aus meiner Sicht gefühlt gefährlichste Stück Straße in Nürnberg, ohne jegliche Vorrichtung für Radfahrer.

Maximilianstraße, zwischen Jansenbrücke und Fürther Straße

Maximilianstraße, zwischen Jansenbrücke und Fürther Straße

Anyhow, dieses neue Stückchen Radstreifen ist wieder typisch für die Art und Weise, wie der Radverkehr immer mal ein paar Meter gewinnt. Durch viele Gespräche, die ich in letzter Zeit mit unterschiedlichsten Radfahrern geführt habe, wird immer klarer, dass diese Art des „Fortschritts“ nicht mehr sonderlich akzeptiert wird.

Es werden Stimmen lauter, die meinen, dass es höchste Zeit für einen Radwegenetz-Masterplan ist. Dass das Zugeständnisse von Politik und Autofahrern verlangen wird ist klar. Der Platz und die finanziellen Mittel sind begrenzt, können aber anders verteilt werden. Hier hoffe ich auf einen Sinneswandel und viel Mut bei den Verantwortlichen in der nürnberger Politik und Verwaltung. Erste vorsichtige Anzeichen sind zu entdecken, aber es fehlt noch das klare, deutliche Bekenntnis zu einer fahrradfreundlichen Stadt.

Der Radwegenetz-Masterplan wäre eine Möglichkeit Klarheit und eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Der Plan müsste ein (vorerst grobes) Netz von gut ausgebauten Radwegen mit sicheren einheitlichen Standards (von mir aus nach niederländischem Vorbild!) enthalten, die stern- und kreisförmig die Stadtteile miteinander verbinden. Man kann sich das wie ein Spinnennetz vorstellen. Wenn die groben Maschen stehen, kann man sich an die feineren dran machen, aber lasst uns doch erst mal damit anfangen! So weitermachen wie bisher ist auf jeden Fall nicht die Lösung um den Radverkehrsanteil signifikant zu steigern. Das einzige, was im Moment zunimmt, sind die ängstlichen Radfahrer auf den Gehwegen und da will sie -zurecht- niemanden haben.

Autor: Quirinus

Zweirad fahren in Nürnberg und Umgebung. Meistens mit dem Fahrrad. Meine Geschichten, Bilder und Meinungen dazu findest du unter https://nuernberg2rad.wordpress.com

7 thoughts on “Wieder ein paar mühsame Meter…

  1. Hallo Quirinus,
    Bis „sichere einheitliche Standards“ entwickelt und in Planungsbüros angekommen sind, würdest du den Bau von minderwertigen Radwegen (gefährlich, behindernd, unbequem und trotzdem recht teuer) befürworten?

    Was ist eigentlich dieser Radverkehrsanteil und warum ist er so erstrebenswert? Wärst du bereit, es in einem knappen Beitrag zu erklären?

  2. Ein solches Grundnetz gibt es doch eigentlich schon:
    http://www.nuernberg.de/internet/verkehrsplanung/radrouten.html#8
    Man könnte sich nun darauf konzentrieren, erstmal dieses Netz in einen besseren Zustand zu versetzen. Teile des Altstadtrings sind ja z.B. eine Zumutung und wären ein guter Anfang, mal etwas Platz zugunsten des Radverkehrs vom Autoverkehr abzuschneiden.
    Ansonsten kann ich aber die Polemik gegen kleine Schritte nicht nachvollziehen, auch die sind ja notwendig, gerade auch beim Radverkehr.
    Ebenso verstehe ich nicht, warum der folgende Teil des Nordwestrings jetzt ach so gefährlich sein soll: Man wird dort nicht wie sonst auf weiten Strecken des Rings per Radstreifen neben die Autotüren gezwungen, kann bequem eine Spur für sich einnehmen, hat keinen Ärger mit Fußgängern und Geisterradlern und die Autofahrer überholen einen komfortabel auf der zweiten Spur.
    Dass man so jedoch keine unerfahrene fünzigjährige Autofahrerin aufs Rad holt, ist mir auch klar. Aber deswegen braucht man nicht gefühlte mit tatsächlicher Sicherheit in einen Topf werfen.

  3. Deine Beschreibung erinnert mich stark an Hamburg. Mit rund1800km Radweg/-streifen sollten wir glücklich sein. Leider befindet sich das Gros – zumindest auf den Strecken, die ich fahre – in einem erbärmlichen Zustand. Der Belagmix zwischen Pflastersteinen, 30x30cm Platten, Schotter und durch Erosion & Baumwurzeln aufgerissenem Teer ist an der Tagesordnung. Breit sind sie oft nur ~70cm. Dazu enden Radwege recht abrupt – im Nichts, als Parkplatz oder werden ohne Übergang zum Gehweg. Unschön auch solche, die wie auf der Reeperbahn erst recht breit neben dem Gehweg geführt, dann auf die Straße verschwenkt werden – direkt hinter einem dichten Busch, der Schutzstreifen läuft noch ca. 3m, ist etwa 70cm breit. Schnell unterwegs bin ich mal durch die abrupte Verschwenkung direkt vor einen SUV geraten. Glücklicherweise zog der Fahrer asap nach links. Nun meide ich die Strecke..
    In Hamburg heißt das dann „Mosaic“ – nur kleine Teilstücke werden angegangen, tlws < 100m.

    Drücke euch die Daumen, dass ein integriertes Verkehrskonzept in Nürnberg bald vorliegt & umgesetzt wird!

  4. Der obige Radstreifen wurde nun knallig rot markiert. Sieht jetzt aus als wäre das die eigentliche Fahrbahn.

  5. Ja, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…
    Ich bin gespannt, wann die Äußere Bayreuther Str. fertig wird und wie dann die Radfahrinfrastruktur dort aussehen wird.
    Ansonsten glaube ich nicht, dass die Zeit in Nürnberg schon gekommen ist, mehr als Stückwerk zu bewerkstelligen. Hält mich aber trotzdem nicht vom Radfahren ab. Irgendwann wird es so weit sein, vermute ich. Je mehr Leute regelmäßig fahren, desto eher vermutlich.
    Aber Hut ab, dass du dich so engagierst, um etwas zu bewegen.

  6. Ich denke erstmal, Dein Gefühl täuscht. Das Stück Strasse hinter der Kreuzung mit der Fürther Strasse ist eigentlich ganz passabel. Keine Sichtbehinderung durch parkende Autos, keine überraschenden Einmündungen mit Radweg-kreuzenden Abbiegespuren (ok, kurz vor der Theodor-Heuss-Brücke gibt es wieder eine – aber zumindest übersichtlich und ordentlich markiert). Trotzdem genug Platz zum Überholtwerden durch die zweite Spur.

    Mit den Mini-Schritten hast Du allerdings recht. Oft kommen dabei wirre und widersinnige Verschlimmbesserungen heraus, wenn man versucht, Konzepte und Konzeptionssünden, die über Jahrzehnte stückchenweise entstanden sind, unter einen Hut zu bringen. Bleibt halt im Kern immer noch die 60er-Jahre-Autostadt mit irgendwie drangepfropftem Radfahr-Notbehelf.

    Ein Fahrrad-Masterplan wäre nett, wird allerdings wie bisher an der Besitzstandswahrung der PKW-Nutzer scheitern.

    So geht es mühsam weiter wie bisher: Zwei Minischritte vor, einen wieder zurück.

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