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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs

Südlich des Marientunnels

13 Kommentare

Letzten Donnerstagabend ist ein junger Mann am südlichen Ende des Marientunnels durch einen Zusammenstoß mit einer Straßenbahn zu Tode gekommen. Darüber wurde in den Medien und z.B. auf der Facebookseite des Critical Mass bereits vielmals berichtet.

Ich bin in der Ecke ab und zu unterwegs, wenn ich zum Fahrradladen Velo Radsport fahre. So auch wieder vor etwa 2 Wochen. Ich musste sehr lange an der Ampel an der Kreuzung Scheurlstraße / Köhnstraße warten. Und mit mir mehrere anderen Radfahrer (siehe Foto – just beim Auslösen sprang die Ampel auf grün). Ich war damals schon derart über die Wartezeit verärgert, dass ich mir vornahm, darüber mal einen Beitrag zu schreiben.

Sehr lange Wartezeit an der Ampel Ecke Scheurlstraße / Köhnstraße

Sehr lange Wartezeit an der Ampel Ecke Scheurlstraße / Köhnstraße

Mitten auf der Kreuzung ist ein Radfahrer zu sehen, der nicht den „offiziellen Weg“ über beide Fußgänger-/Radfahrerampeln genommen hat, um in die Regensburger Straße zu fahren. Meiner Vermutung nach hat das Unfallopfer der vergangenen Woche auch diesen Weg nehmen wollen, bevor er auf den Straßenbahngleisen gestürzt ist.

Warum wohl?

Um Zeit zu sparen natürlich. Es ist leider so, dass Autos, die aus dem Tunnel kommen, relativ flüssig in die Regensburger Straße abbiegen können. Radfahrer dagegen, müssen über einen benutzungspflichtigen Geh-/Radweg und über 2 Ampeln fahren, die ÜBERHAUPT NICHT aufeinander abgestimmt sind. Vor allem die Ampel auf dem Bild braucht SEHR lange, bis die Grünphase kommt. Auf diese Art und Weise wird das Radfahren in der Stadt zum Nachteil statt zum Vorteil. Der Anreiz, eine derartige Verzögerung zu ignorieren und den illegalen Weg zu wählen wird größer, je länger die Verzögerung dauert.

Da helfen keine Verbote, so ticken Menschen nun mal. Vor allem im Verkehr.

Dass es keine gute Idee ist, zwischen den Autos durch den Tunnel mit den Straßenbahngleisen zu fahren, sollte nach dem Unfall ziemlich klar sein. Ich gestehe hier, dass ich es auch schon gemacht habe, aus dem gleichen Grund wie oben beschrieben. Ein separater Weg für Radfahrer ist wirklich sicherer, aber die Ampelsituation südlich des Tunnels sollte drastisch optimiert werden, damit keine falsche Anreize für Radfahrer entstehen!

Autor: Quirinus

Zweirad fahren in Nürnberg und Umgebung. Meistens mit dem Fahrrad. Meine Geschichten, Bilder und Meinungen dazu findest du unter https://nuernberg2rad.wordpress.com

13 thoughts on “Südlich des Marientunnels

  1. Was ist mit denen, die geradeaus fahren? Der Radweg im Tunnel endet unvermittelt und man wird als Radfahrer mit einer kaum erkenntlichen Furt direkt vor die KFZ auf die Straße geschickt. Ich meine, dass das Gefahrenpotenzial dadurch höher ist, als bei der Fahrt auf der Straße durch den Tunnel.

    Auch wenn dieser Unfall tragisch ist würde ich hier, bis zur Veröffentlichung weiterer Fakten, von einer tragischen Verkettung der Umstände und damit einem Unfall sprechen.

    • Wenn du aber links abbiegen möchtest, kommst du nicht drumherum an der im Beitrag genannten Ampel zu warten. Viele nehmen aber auch schon die Fußgängerampel am Ende des Tunnels um über die Köhnstraße zu kommen.
      Klar ist es ein Unfall, habe ich das irgendwo falsch geschrieben?

  2. Ich würde den benutzungspflichtigen Radweg in der Diskussion außen vor lassen, schließlich kann so ein Unfall an dieser Stelle einem S-Pedelec-Fahrer genauso passieren. Es bestehen auch Anhaltspunkte dafür, dass man als Radfahrer einen benutzungspflichtigen Radweg zum Abbiegen verlassen darf.

    Ich bin den Weg des Abbiegers vor ca. 7 Wochen selber gefahren. Ich kannte den Tunnel nicht und fuhr daher auf der Fahrbahn (das Radwegschild war zu spät zu sehen, glaube ich). Habe mich nicht nach Links einordnen können, da ich dauernd überholt wurde, daher bin ich in der Kreuzung indirekt vom rechten Rand aus abgebogen, gleichzeitig schaltete auch die Ampel auf dem Bild auf grün. Also wenn man bei Grün ankommt, kann man noch halbwegs schnell abbiegen und wenn man bei Rot ankommt, kann man vorsichtig auf die Abbiegespur zwischen die Schienen wechseln und direkt abbiegen.

    Dass die Ampel so lange rot bleibt, liegt vermutlich an den stark unterschiedlichen Verkehrszahlen (Nord-Süd fahren viel mehr als West-Ost) und den Straßenbahnen, die vermutlich eine Vorrangschaltung haben.

    Die Schienensituation an sich ist hier nicht überdurchschnittlich gefährlich. Viel schlimmer ist es in Kreuzungsbereichen mit kurvigen Schienenverläufen, z.B. Abbiegen von der Bucher Straße nordwärts auf die Pirckheimerstraße ostwärts: https://www.google.de/maps/@49.460689,11.072418,3a,75y,52.66h,72.04t/data=!3m4!1e1!3m2!1suGSPKvUVsjFSQEXbASIzOw!2e0
    Und nein, Radweg gibt es dort keinen (wo man ihn am meisten braucht).

  3. Wo wir gerade bei Fahrradwegen in Kombination mit Brücken und Straßenbahen sind, hab‘ ich auch noch einen:

    https://www.google.de/maps/@49.416637,11.080653,3a,75y,180h,88.63t/data=!3m4!1e1!3m2!1sJKXUt6g0vA4FJja7zLHTdw!2e0

    Was mich so fasziniert:

    Man fährt mit dem Rad die Brücke runter und hat dann schon etwas Geschwindigkeit. Ausgerechnet da, wo’s dann interessant wird, endet die Fahradspur:
    In der Leitplanke. Buchstäblich.
    Ich meine, es ist offensichltich, daß diese Brücke niemals für Autos, Straßenbahn, Fahrradfahrer und Fußgänger konzipiert wurde.
    Es gitb nur so und so viele Optionen bei begrenztem Platz – eine saubere Lösung ist fast unmöglich.
    Aber es ist auch klar, daß hier
    a) mal wieder die Fahrradfahrer die Deppenkarte bekommen haben und
    b) diese Stelle echt irre gefährlich ist.

    Meine Maßnahme:
    Deutlich vor dem offiziellen Ende der Fahrradspur mitten auf der Fahrbahn fahren, so ein Überholen der PKW verhindern und sich dann auf die möglicherweise gerade kommende Straßenbahn konzentrieren.

    • Die Verkehrsplaner haben sich hierwohl gedacht, dass sich die Verkehrsteilnehmer nach dem Reißverschlussprinzip einordnen. Nur ist das für Radfahrer viel gefährlicher, als für Kraftfahrzeuge.

      • Reissverschlussverfahren – ein Meter vor der Leitplanke? Ich meine, so ist das laut Markierung gedacht. Das würden noch nicht mal zwei Autofahrer hinbekommen, spätestens, wenn eine potentielle Straßenbahn in’s Spiel kommt.

        Ich ärgere mich immer, wenn jemand „Lösungen“ (oder Produkte) konzipiert, und ganz offensichtlich niemals versucht hat, es einmal selber auszuprobieren, bevor er es auf die Menschheit loslässt… sonst sähe das Ergebnis sicher anders aus.
        Und man sollte eines nicht vergessen:
        Sowas wird von unser aller Steuergeld bezahlt.
        Un dann wurdern sich Menschen über Aktionen wie die Critical Mass.
        Als ob nicht klar wäre, daß es langsam, ganz langsam dann doch mal reicht.

  4. Ich denke, an dieser Stelle am Marientunnel gibt es keine einfache Lösung, der nicht den Autoverkehr einschränkt. Die Straßenbahngleise müssen bleiben, weil der Marientunnel eine wichtige Ausweichstrecke ist und an der Scheurlstaße / Allerberger Str. die einzige Wendemöglichkeit für Straßenbahnen von Norden her besteht. Ebenso brauchen die Busse von und nach Zabo ihre Trasse durch die Köhnstraße. Und der Autoverkehr läuft vor allem dann links aus dem Tunnel heraus über die Regensburger Straße.

    Eine Lösung gibt es nur, wenn man zwischen Bahnhofstraße und Dürrenstraße den Autoverkehr entlang Marientunnel und Regensburger Str. auf eine Spur einschränkt und entlang der Regensburger Straße bis zur Stefanstraße beidseitig eine Busspur mit „Radler frei“ schafft. Dann könnte man auch für Radler eine vernünftige Verbindung vom Bahnhof zur Hainstraße bekommen und gerade auch den Knoten südlich des Marientunnels so regeln, dass auch der Radverkehr nicht unangemessen benachteiligt wird. Die Lösung ist dann sicher immer noch nicht einfach, aber sie erscheint zumindest für möglich. Da sollte man sich mal intensiv Gedanken machen und einen guten Vorschlag in die Öffentlichkeit bringen. Die Chancen stehen dann immer noch nicht gut, aber man könnte zumindest aufzeigen, dass es schon auch besser ginge.

  5. Pingback: Eine ereignisreiche Fahrradwoche | nürnberg2rad

  6. Vorab: Ich wohne direkt an der Südseite vom Marientunnel, d.h. an dem Eck bin ich sehr oft mit dem Rad und zu Fuß unterwegs.

    Ich finde die Situation auf beiden Seiten vom Tunnel sehr vergleichbar, insofern ist nicht nur die Südseite problematisch.
    An beiden Seiten hört der Radweg einfach auf, bzw. der Zugang zum Radweg ist undeutlich. Auf beiden Seiten ist die weiterfahrt für Radler über die Ampeln sehr unschön und zeitraubend.
    Gerade wer hier ordentlich über die Ampeln weiterfährt hat hier keinerlei Vorteil gegenüber den Fußgängern. Ich hab das schon öfter selbst erlebt wenn ich von der Südseite des Tunnels die Marienstraße bis zum Marientor hochlaufe. Hier hat ein Radfahrer oft keinerlei Zeitvorteil gegenüber einem Fußgänger (bzw. der Zeitvorteil ist sehr klein, vielleicht ne halbe Miunute), da die Ampeln für Radfahrer hier auf „Roter Welle“ stehen.

    Was meiner Meinung nach verstärkend hinzukommt: Auch für Autofahrer ist die Situation am Marientunnel relativ unübersichtlich, v.A. für nicht Ortskundige. Die wenigsten kapieren beispielsweise dass man auf der Südseite auf beiden Spuren link abbiegen darf, was regelmäßig Abends im Berufsverkehr kleine Staus verursacht und generell das Autofahren nicht erleichtert.
    Wäre die Situation für Autofahrer hier übersichtlicher, wäre das auch gleich für Radler ein Stück harmloser weil jeder dann mehr auf den Anderen achten kann anstatt auf den Straßenverlauf.

    Ganz generell ist die Südstadt aber an vielen vielen Ecken für Radfahrer sehr unschön. Man merkt einfach deutlich dass hier für die Menge an Autos der Platz nicht ausreicht, was dann natürlich den Platz für Radler noch mehr einschränkt. Einfaches Beispiel: Wären am Südausgang vom Marientunnel weniger Parkplätze in der Scheuerlstraße nötig könnte man da auch super nen Radweg zwischen Straße und Gehweg durchführen; nur leider sind die Parkplätze zur Zeit eh schon zu wenige (bzw. Autos zu viele, wie man’s nimmt).

    • Hallo Marco, für die Nordseite des Marientunnels ist Besserung in Sicht. Die Kreuzungsgestaltung soll da übersichtlicher werden und für den Radverkehr nicht mehr einfach vor der Kreuzung enden. Die 4x-Rot-Ampeln bis zum Queren des Marientors ist mir auch bekannt und ist sehr nervig.

      • Hallo Quirinus,

        an der Nordseite wäre es ja schon eine echte Verbesserung wenn der Radweg aus der Marienstraße kommend in Richtung Marientunnel auf der Kreuzung vorm Tunnel durchgeführt würde. So würden die Radfahrer wissen wohin der Radweg weiterführt nach der Kreuzung und die Autofahrer wüssten wie die Radler über die Kreuzung fahren (bis jetzt schneidet ja jeder die Kreuzung wie er möchte da hier der Weg geradeaus ja halblinks abknickt).
        Aber schön zu hören dass da was gemacht werden soll.

        In der Hoffnung dass ein Verantwortlicher hier mitliest: Man möge doch bitte im Tunnel in Richtung Südstadt endlich auf der rechten Autospur noch eine Straßenmarkierung anbringen, die deutlich darauf hinweist dass man auf beiden Spuren links abbiegen kann; würde die gesamte Verkehrssituation nochmal entspannen und dürfte kaum was kosten.

  7. Das traurige ist, das erst was schlimmes passieren muss bevor die entsprechende Behörde was unternimmt. Ein Armutszeugnisse vom Feinsten

    Radfahrer an die Macht!

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