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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs

Radwege – soll und ist

6 Kommentare

Der Architekt und Philosoph Christopher Alexander hat in den 70-er Jahren an der Universität von Oregon, USA,  ein interessantes Experiment durchgeführt. Zwischen den Gebäuden wurde Rasen gesät. Dann ließ man die Studenten 2 Monate ihre täglichen Wege gehen. Nach den 2 Monaten waren zwischen den Gebäuden Trampelpfade entstanden, die ganz klar zeigten, welche die bevorzugten Gehstrecken der Studenten waren. Diese Strecken wurden dann zu richtigen Wegen umgestaltet.

Der kürzeste Belag ist nicht der kürzeste Weg

Der kürzeste Belag ist nicht der kürzeste Weg

Im Knoblauchsland gibt es diese anschauliche Situation. Irgendwer (die Stadt oder Privatleute?) hat das Stück Wüste zwischen Straße und Abkürzung geschottert. Die Radfahrer wählen aber eindeutig die Strecke links davon. Der vorgesehene Weg wird nicht akzeptiert. Wenn es geregnet hat, befindet sich unten eine große Pfütze. Ansonsten wäre der Weg über den Schotter eher eine Art Zig-Zag-Route. So entstand im Laufe der Zeit der Trampelpfad für Radfahrer.

Diese Situation ist aus meiner Sicht symptomatisch für viele Radstrecken in Nürnberg (nicht alle!). Vor allem ältere Radvorrichtungen sind eher um die Autostraßen herum geplant und errichtet worden. Der gemeine Radfahrer ist aber sehr Streckensensibel. Ich vergleiche das Streckenverhalten von Radfahrern oft mit Wasser: Es sucht sich den kürzesten und direktesten Weg von A nach B. Deswegen sieht man viele Radfahrer an Stellen, wo sie nicht sein sollten, z.B. auf Gehwegen oder als Geisterfahrer auf einspurigen Radwegen.

Die bisherige Art damit umzugehen ist meistens entweder ignorieren oder bestrafen. Ich möchte die Politik und Verwaltung jedoch dazu aufrufen, diese Art von intuitiven Strecken zu prüfen. Es zeigt, wo Leute fahren wollen um von A nach B zu kommen. Nur wenn man diese Bedürfnisse Ernst nimmt und dafür die passende Lösungen errichtet, wird man Akzeptanz bei Radfahrern ernten und gute Verbindungen schaffen.

Autor: Quirinus

Zweirad fahren in Nürnberg und Umgebung. Meistens mit dem Fahrrad. Meine Geschichten, Bilder und Meinungen dazu findest du unter https://nuernberg2rad.wordpress.com

6 thoughts on “Radwege – soll und ist

  1. In den Niederlanden (wo auch sonst) gab es mal ein Projekt, was genau soetwas bei Fußwegen umgesetzt hat. Es wurde zuerst Wiese gepflanzt, gewartet welche Wege die Leute wählen und danach wurde erst gepflastert.

    In der Stadt ist das mit Radwegen kaum möglich, aber gerade im Umland wäre es eine einfache Möglichkeit Stellen zum „nachbessern“ zu finden.

    • In der Stadt klappt das ganz gut wenn Schnee gefallen ist. Dann sieht man auch sehr schnell, wo die Radfahrer eigentlich fahren. Darüber habe ich vor einigen Monaten gelesen. Ich glaube, es war in der und wurde richtig ausgewertet und danach wurden Maßnahmen getroffen. Mit Hilfe moderner Technik lassen sich bestimmt auch andere Methoden finden. So habe ich letzte Woche von einem Projekt gehört, wobei 400 Schüler mit GPS-Geräten ausgestattet wurden und ihren Schulweg abgeradelt sind. Als Ergebnis kam ein klares Streckennetz zustande.

  2. Hm. Würde man meine Fahrradspuren in der Stadt nachvollziehen, käme man zu dem Ergebnis, eine ideale Infrastruktur zu haben, denn meine Wege folgen vorgegebenen Radwegen, verlaufen durch 30er-Zonen und gelegentlich mal ein kurzes Stück durch eine freigegebene Fußgängerzone. Weil der für mich kürzeste und schnellste Weg mit dem Fahrrad lebensgefährlich wäre. Der Ansatz funktioniert also wirklich nur auf einer grünen Wiese ohne äußere Vorgaben. Je mehr Infrastruktur schon da ist, umso weniger sagt das Nutzungsmuster darüber aus, ob sie wirklich den Bedarf entspricht oder nur das geringste vorhandene Übel ist.

  3. Ich denke auch, dass man das Experiment nicht wirklich auf die Stadt übertragen kann. Es funktioniert nur dort, wo es kaum Infrastruktur gibt. In der Stadt spielt v.a. Sicherheit und direkte Wege eine Rolle. Wenn ich mit dem Rad direkt von A nach B will und es sich dabei um eine vielbefahrene Hauptstraße ohne jegliche Infrastruktur für Radfahrer handelt, werde ich (als weniger mutiger) Radfahrer wohl eher auf den Gehweg ausweichen. Wer diese Strecke allerdings öfters fährt, wird schauen, ob es nicht auch eine halbwegs gerade, parallel verlaufende Straße gibt mit weniger Verkehr gibt.

    • Genau das meine ich auch. Wenn mehrere Radfahrer zwischen A und B auf dem Gehweg unterwegs sind, dann sollte man analysieren warum und entsprechende Maßnahmen treffen.

  4. Leider hat das Verkehrsplanungsamt nicht so viel Personal um die Verkehrsströme zu beobachten und gezielt gegenzusteuern.
    Aber dafür haben sie ja uns😉

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