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Mit dem Fahrrad in Nürnberg unterwegs


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Kritik an Unfall-Berichterstattung

Zuerst ist es natürlich schockierend, was vor 2 Tagen in Erlangen passiert ist. Ein schreckliches Ereignis für alle Beteiligte und Verwandte. Den Unfallhergang möchte ich nicht kommentieren, dazu fehlen mir die relevanten Informationen und die Lust.

Um was es mir geht, ist die Art der Berichterstattung in den Lokalmedien. Zuerst wird korrekt über den Unfall berichtet. Dann aber geht es im letzten Absatz in die falsche Richtung:

Im Satz zuvor wird beschrieben, dass der Radfahrer gestorben ist. Im Anschluß kommt die Information, dass der Autofahrer einen Schock erlitten hat. Das ist verständlich und auch schlimm. Aber warum müssen Automarke und -Typ genannt werden? Und der Sachschaden am VW Tiguan in Höhe von ca. 1000 Euro? Was ist da passiert? Gab es vielleicht einen Kratzer im Lack der Stoßstange? Wo ist da die Relevanz und die Relation zum Unfalltot eines Menschen?

Warum werden Marke und Typ des Fahrrads nicht erwähnt? Und die Höhe des Sachschadens am Fahrrad?: “Am Hercules De Luxe enstand ein Totalschaden in Höhe von ca. 400 Euro”. Merkst du es auch? Wie albern das klingt? Deswegen wäre ich dafür, dass solche Berichte nicht einfach 1:1 aus dem Unfallbericht der Polizei übernommen werden, sondern dass Journalisten hier für Qualität und etwas Pietät sorgen. Lasst den Auto-Unsinn einfach weg!

Ich schicke diesen Beitrag mal an die Redaktion. Hoffentlich bewirkt das was.


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Lernen von Holland (1) – Ausfahrten

Ich möchte eine Serie mit praktischen Fahrradlösungen aus Holland starten. Es geht um kleinere und größere Lösungen für die Fahrrad-Infrastruktur. Was im holländischen Straßenbild ganz normal und selbstverständlich ist, ist es bei uns in Nürnberg und Umgebung noch lange nicht.

Speziell die andere Umsetzung vieler Details, macht das Radfahren in Holland im Alltag viel angenehmer und sicherer. Wer in Holland mal mit dem Rad unterwegs war, weiß die Vorteile der dort üblichen separaten Radwege-Infrastruktur zu schätzen. Dass diese mit den bei uns in Franken umgesetzten Radwegen oftmals nicht viel gemein hat, soll kein Grund sein, separate Radwege grundsätzlich abzulehnen, sondern dies soll ein Ansporn sein, die Radwege in Franken komfortabler und sicherer zu gestalten. Nur mit einer guten separaten Fahrrad-Infrastruktur, wird es möglich sein, ein großer Teil der Autofahrer zum Umstieg aufs Rad zu bewegen.

Das erste Thema: Grundstücksausfahrten.

Mit Erstaunen und Enttäuschung habe ich festgestellt, dass beim gerade fertiggestellten neuen Radweg an der Erlanger Straße, das herkömmliche Radfahrer-feindliche Ausfahrten-Design verwendet wurde, das wir seit Jahren kennen. Ich weise explizit auf dieses Beispiel hin, weil ich der Meinung bin, dass es besser geht. Und zwar ohne Mehraufwand! Und weil die bisherige Art der Umsetzung nicht mehr zeitgemäß ist.

Neuer Grundstücksausfahrt an der Erlanger Straße. Der Radweg ist unterbrochen.

Neuer Grundstücksausfahrt an der Erlanger Straße. Der Radweg ist unterbrochen.

Die Merkmale solcher Grundstücksausfahrten, die separierte Radwege/Fußwege kreuzen:

  • Der Asphalt des Radweges wird durch Plastersteine unterbrochen. Das ist erstens unbequem für den Radfahrer und zweitens unsicher, denn der Autofahrer, der die Ausfahrt verlässt, hat keinen deutlichen optischen Hinweis, dass er jetzt einen Radweg / Fußweg quert.
  • Das Niveau des Radweges wird bei jeder Ausfahrt abgesenkt. Auch das ist für den Radfahrer unbequem, vor allem wenn mehrere Ausfahrten direkt nacheinander platziert sind (siehe Bild unten). Man kommt sich vor wie bei einem Kamelritt. Das Sicherheitsproblem dieser Konstruktion: Der einbiegende Autofahrer kann ohne Abbremsen in die Einfahrt reinfahren, da die Absenkung auf Fahrbahnniveau ihm das ermöglicht.

Und dann stellt man fest: Diese Art von Ausfahrten sind zu 100% für die ein- und ausfahrenden Autos optimiert. Die Interessen der Radfahrer und Fußgänger werden hier überhaupt nicht berücksichtigt! Bei der Ausfahrt an der Erlanger Straße kann man sogar vermuten, dass diese vielleicht 2x täglich von einem Auto benutzt wird. Und an guten Tagen fahren hier sicherlich 1.000 Radfahrer vorbei. Das ist der eigentliche Skandal dieser Konstruktion.

Für eine fahrradfreundliche Stadt gehört sich das anders. In stelle hier mal die Lösung aus Holland (2 Beispiele) vor. Das wird nicht nur bei Ausfahrten, sondern auch bei der Querung von Seitenstraßen verwendet. (Auf die Seitenstraßen komme ich in einem zukünftigen Blog-Beitrag noch mal).

Grundstückseinfahrt mit Beton-Kerbstones. 2-Richtungsradweg

Holland 1: Grundstückseinfahrt mit Beton-Kerbstones. 2-Richtungsradweg

Holland 2: Grundstückseinfahrt für Radfahrer kaum auffällig.

Holland 2: Grundstückseinfahrt für Radfahrer kaum auffällig. Für Autofahrer aber sehr deutlich.

Was zeichnet diese Ausfahrt aus?

  • Der Radweg (durchgehend mit rotem Asphalt!) und der Fußweg werden auf dem gleichen Niveau weitergeführt (kein Kamelritt). Durch die Gestaltung der Oberfläche wird es dem ausfahrenden Autofahrer sofort deutlich, dass er hier mit querenden Verkehrsteilnehmern rechnen muss. Die Radfahrer und Fußgänger haben indes keine Komforteinbuße und können ungehindert weiter fahren und gehen.
  • Der einfahrende Autofahrer muss die kleine Rampe überwinden um Rad- und Fußweg zu queren. Dazu muss die Geschwindigkeit des Fahrzeugs erheblich reduziert werden. Ein weiterer Sicherheitsaspekt, der insbesondere bei separaten Radwegen sehr wichtig ist!

Man sieht, dass durch solche kleine aber durchdachte Maßnahmen, die Sicherheit und der Komfort für den Radverkehr erhöht werden können, ohne den Autoverkehr zu benachteiligen. Die Radfahrer in Nürnberg freuen sich, wenn die Planer des Verkehrsplanungsamtes dieses Design ab sofort bei neuen Radwegen übernehmen.

Anbei noch 2 Beispiele, wie es nicht sein sollte:

Schweinauer Hauptstraße

Schweinauer Hauptstraße

Sigmundstraße - Gehweg/Radfahrer frei. Mehrere Ausfahren nacheinander. Kopfsteinpflaster.

Sigmundstraße – Gehweg/Radfahrer frei. Mehrere Ausfahren nacheinander. Kopfsteinpflaster.

P.S. am 08.04.15: Das ursprüngliche Holland-Bild habe ich durch 2 bessere Beispiele ersetzt.


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Neu: Gefahrenaltas Fahrrad für Nürnberg und Umgebung!

Wie geil ist das denn? Jeder Radfahrer (m/w) kann jetzt auf einer Karte markieren, wo er die persönlichen Problemstellen beim Radfahren kennt.

Bildschirmfoto vom 2015-03-22 16:14:54

Kinderleicht zu bedienen und sehr aufschlussreich. Nachdem die ersten Bugs draußen sind, kann man jetzt schnell und nacheinander mehrere Stellen eintragen. Eine hervorragende Anwendung, die von Matthias von IBIKENBG vor Kurzem erst veröffentlicht wurde. Trotzdem sind bereits viele Einträge drin.

Zu finden unter: http://www.ibikenbg.de/gefahrenatlas/


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Spenden für Fridolin… Das Lastenrad für jedermann in Nürnberg

Über die Initiative I BIKE NBG läuft gerade ein Projekt um in Nürnberg ein Lastenrad zu erwerben. Das Lastenrad soll Fridolin heissen und soll von jedermann kostenlos ausgeliehen werden können. Shareconomy per Lastenrad, sozusagen.

Werbung für Fridolin

Werbung für Fridolin

Matthias von I BIKE NBG hat auf dem Portal www.lokalherz.de eine Spendenaufruf-Aktion gestartet, speziell zur Finanzierung der Enwicklung des Web-Portals für Fridolin, über das die Ausleihvorgänge gesteuert werden sollen. Auf diesem Weg sollen 500,-€ gesammelt werden. Der Spendenaufruf läuft noch bis 2.April 2015.

Ich finde das eine hervorragende Initiative, die eine finanzielle Unterstützung verdient. Jeder kann HIER spenden und/oder sich über das Projekt informieren. Auch kleine Beträge sind herzlich willkommen!


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Liebe Firma Audi AG…

Liebe Firma Audi AG,

für das Fahrverhalten Ihrer Kunden sind selbstverständlich nicht verantwortlich. Oder vielleicht doch ein wenig?

Quelle: Audi AG

Quelle: Audi AG

Als Alltagsradfahrer meine ich feststellen zu können, dass 9 von 10 Autofahrern sich mir gegenüber rücksichtsvoll benehmen. Sie halten beim Überholen die ca. 1,5m Abstand ein, die vorgeschrieben ist, sie schneiden mich nicht, sie halten beim Verlassen von Grundstücksausfahrten. Manche lassen sogar in der Schlange vor der Ampel rechts eine Gasse frei, damit ich am Stau vorbei nach vorne fahren kann.

Aber ca. 1 von 10 Autofahrern benimmt sich leider nicht so. Die stören mit Ihrem Verhalten nicht nur, sie bringen mich teilweise ernsthaft in Gefahr. Und jetzt kommt die interessante Erkenntnis: Als ich von einigen Monaten für mich angefangen habe, herauszufinden was die 10% Auto-Assis kennzeichnet, war ich bald überrascht. Die meisten von ihnen fahren ein Audi! Klar, es sind einige Fiats, Alfa Romeos und Lieferwagen (Sprinter, Ducatos, etc.) dabei, aber von diesen 10% sind überaus die meisten: Audifahrer.

Natürlich ist diese Beobachtung sehr subjektiv und kann von mir nicht wissenschaftlich unterbaut werden. Darum geht es auch nicht. Ich habe aber unwillkürlich angefangen über das „Warum“ nachzudenken. Liegt es an der Konstruktion der Fahrzeuge? Sind sie von außen viel breiter als sie von innen erscheinen? Sind die sogenannten B-Säulen zu massiv, wodurch die schmale Silhouette des Radfahrers verdeckt wird? Ist die Geräuschdämmung so gut, dass der Insasse nichts mehr von außen mitbekommt?

Oder ist es ein bestimmter Typus Mensch, der sich in einen Audi reinsetzt? Gut, wer einen Q7 fährt (für Autolaien: Das ist eins der monströsesten SUV-Wüstenschiffe auf Deutschlands Straßen), wer einen Q7 fährt, der gehört für mich schon zur Kategorie „ich-zeige-allen-wie-groß-und-mächtig-ich-bin-weil-ich-sonst-nur-ein-armes-Würstchen-bin“.

Es sind nicht nur die dicken Audis, nein sogar häufig die Kleineren vom Typ A3. Vielleicht sind die Fahrerinnen und Fahrer frustriert, weil sie sich keinen A4,5,6,7,8 kaufen konnten? Oder genau umgekehrt…wollen die A3-Fahrer mit ihrer “Mach-Platz”-Fahrweise zeigen, dass sie diesen Edel-Golf fahren, weil sie sich für etwas besseres halten als ein echter VW-Golf-Fahrer?

Ich werde es wohl nicht herausfinden. Mittlerweile haben Sie in Ihrer Werbung etwas geändert. Vor einem Jahr war es noch „Streetfighter“ (siehe Blogbeitrag), aber das ist glücklicherweise vorbei. Ein Beitrag zum Rücksicht im Verkehr war das nicht. Inzwischen werden überall Fahrräder und Radfahrer in die Werbefotos versteckt und das sicherlich nicht unabsichtlich. Was ist der tiefere Sinn dahinter? Soll das Automobil glänzen, neben dem unscheinbaren Drahtesel? Soll etwas Sportlichkeit vermittelt werden? Oder heißt es: „Audifahrer: Das ist deine Zielscheibe“….? Ich hoffe doch nicht letzteres. Pass mal gut auf!”

Quelle: Audi AG

Quelle: Audi AG

Liebe Firma Audi. Bitte schreiben Sie doch mal in die nächste Werbung rein: „Audifahrer fahren Auto wenn sie müssen, aber Rad wenn sie können!“. Vielleicht steigt dann wirklich mal der eine oder andere aufs Rad und wundert sich über das Fahrverhalten von manchen OOOO-Fahrern….

Quelle: Audi AG

Quelle: Audi AG

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